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Ein Gespür für Vintage-Flair

Die Tegeler Firma „Nostalgic-Art“ vertreibt weltweit Retro-Blechschilder bekannter Marken. Inhaber Teja Engel und sein Team setzen aber auch auf Kreativität

Lieutenant Frank Bullitt liefert sich eine Verfolgungsjagd mit Auftragskillern, unterwegs ist der amerikanische Gesetzeshüter in einem Ford Mustang – und gewinnt die Jagd. Natürlich kennt Teja Engel den Film „Bullitt“ von 1968, in dem Schauspieler Steve McQueen mit diesem schnittigen Wagen unterwegs war – und das Auto dadurch zum Filmstar machte. „Ich fahre zwar meist Fahrrad“, sagt Engel, selbst Baujahr 69, ,„aber der Mustang ist schon eine geile Karre“. Deswegen hängt das Blechschild mit dem legendären Ford-Modell in Engels Büro, neben der in Blech gestanzten Coca-Cola-Werbung. Teja Engel hat ein Faible für Blechschilder im Retro-Stil – und vertreibt diese mit seiner auf dem ehemaligen Borsig-Gelände in Tegel ansässigen Firma „Nostalgic-Art“ in mehr als 50 Länder auf der ganzen Welt.

Eine Reise nach Canterbury war die lnitialzündung für die Geschäftsidee

1995 stieß Engel bei einer Englandreise in Canterbury auf den Sammler Robert Opie, der Blechschilder alter englischer Traditionsmarken verkaufte. „Dafür gibt es bei uns einen Markt“, war sich der gelernte Kaufmann Engel sofort sicher und bot die aus England importierten Muster fortan auf Berliner Straßenfesten an. Mit Erfolg. Und so reifte die Idee eines eigenen Vertriebs von Retro-Artikeln. Kurz darauf schlug die Geburtsstunde von „Nostalgic-Art“. Was als Einzelhandel mit einem Geschäft am Kurfürstendamm began, mauserte sich rasch zu einem Großhandel inklusive Kreativschmiede. Der Laden ist längst Geschichte, aber im Online-Zeitalter kann sich der Privatkunde ja im Webshop tummeln, wo er die Qual der-Wahl zwischen fast tausend Schildern hat. Hinzu kommen Produkte wie Emaille-Becher oder Blech-Spardosen in Ölfass-Optik. „Nicht zu vergessen die Pillendöschen“, ergänzt Engel, „von denen verkaufen wir allein über eine Million Stück pro Jahr an Apotheken in Deutschland“.

Die Produktpalette wachse stetig, vor einiger Zeit seien fünf Ausgaben an 1000-Teile-Puzzles mit Werbebotschaften bekannter Marken hinzugekommen; vertrieben in dazu passenden Blechdosen. Mit vielen international agierenden Firmen hat Teja Engel Lizenzverträge geschlossen, um deren Original-Werbung nachdrucken zu dürfen. Er sei manchmal selbst „ganz erschrocken“, wie viele Labels „Nostalgie-Art“ mittlerweile im Portfolio habe. Ein Renner sind unter anderem die Werbeschilder mit dem ersten Bulli, dem T1. „Der VW-Bus lebt doch bis heute von dem damaligen Spirit“, sagt Engel. „Ebenso wie Harley-Davidson – eine unserer erfolgreichsten Lizenzen – noch immer das Gefühl von Freiheit auf der Route 66 vermittelt.“

Doch es gibt bei „Nostalgie-Art“ nicht nur die Original-Werbung. „Unsere Grafiker und Produktentwickler interpretieren Designs neu, ändern etwa die Textur, fügen einen anderen Hintergrund hinzu“, erklärt Engel. Dabei lege man Wert darauf, den Charme der Originale und deren Authentizität zu wahren. „Das Nostalgische mit dem Originellen zu verbinden, ist unsere DNA.“

Die Kundschaft kaufe unterdessen häufiger die Schilder mit den weiterentwickelten Werbebotschaften, fügt Teja Engel nicht ohne Stolz hinzu. Zudem hat das „Nostalgic-Art“-Team auch eigene Kollektionen entwickelt. Besonders gefragt seien aktuell die Schilder mit den Grill-, Küchen- oder Handwerkerregeln mit flotten Sprüchen wie „Licht an: Werkstatt offen. Licht aus: Werkstatt zu.“ Rund die Hälfte der Produktion ist „Made in Germany“, einige Accessoires lässt Teja Engel zudem in Asien fertigen. „Unsere Schilder kommen aus einer früheren Spielzeugfabrik bei Nürnberg – die haben hundert Jahre Kompetenz im Bereich der Blechverarbeitung“, sagt der gebürtige Tempelhofer. Vieles werde noch in Handarbeit hergestellt – aus extra dickem Stahlblech. „Denn neben enormer Kreativität und Leidenschaft für das, was wir tun, ist Qualität unser Markenzeichen.“

Katrin Starke
© Berliner Morgenpost

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