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Wie diesem Reinickendorfer Unternehmer sein Geschäft zerstört wird

Berlin. Teja Engel hat ein gut laufendes Geschäft. Aber die Erweiterungspläne einer ägyptischen Privatuni drohen, ihn aus Berlin zu vertreiben.

Reinickendorf ist ein Hochschulstandort – und das bereits seit Oktober2012. Doch kaum jemand weiß das. Die Außenwirkung der Berliner Filiale der ägyptischen Privatuniversität
„German University in Cairo“ (GUC) ist gering, selbst vor Ort. Zwar residiert die Universität großzügig auf dem Borsig-Gelände, doch wenn man Glück hat, sieht man gerade einmal eine Handvoll Studierender dort – offiziell geht das Bezirksamt Reinickendorf von derzeit 500 eingeschriebenen Studenten aus.

Es wird groß gedacht und noch größer geplant. Die GUC möchte wachsen. Und das freut den Bezirk. „Die Erweiterungspläne werden außerordentlich begrüßt. Nach Einschätzung des Bezirksamts Reinickendorf hat die GUC durch langfristige Investitionen und einen akkreditierten akademischen Betrieb einen bedeutenden Beitrag zur Aufwertung des Standorts geleistet“, heißt es auf Anfrage bei der Morgenpost. Die Erweiterung ermögliche eine Kapazitätssteigerung auf etwa 1000 Studierende mit internationalem Fokus.

Nostalgic-Art: Erfolgreiches Unternehmen mit historischer Kanonenhalle

Teja Engel, Unternehmer und unmittelbarer Nachbar der Universität, betont, dass er nichts gegen die GUC oder die Studierenden habe: „Wenn man hier jemanden von ihnen trifft, sind sie immer freundlich.“ Engel kennt das Gelände gut: 2009 kaufte er die Kanonenhalle und investierte nach eigenen Angaben eine Million Euro in das denkmalgeschützte Gebäude.

Seinen Lebensunterhalt verdient Engel dort mit nostalgischen Blechschildern. Mit seiner Nostalgic-Art Merchandising GmbH versendet er diese weltweit vom Borsig-Gelände aus. Rund 50 Mitarbeiter sind in der Kanonenhalle beschäftigt. Das Projekt ist ein Vorzeigeprojekt für den Bezirk: 2010 erhielt Engel den Bauherrenpreis des Bezirksamtes Reinickendorf für den Umbau, zuletzt gewann Nostalgic-Art 2024 den ersten Preis im Wettbewerb „Denkmalgeschützte Solarprojekte Berlin“ der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe – für eine komplexe Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Erweiterungspläne der GUC gefährden 50 Arbeitsplätze beim Nacharunternehmen

Doch die Erweiterungspläne der benachbarten GUC gefährden nun das wirtschaftliche Weiterbestehen am Standort. Plötzlich fühlt sich Engel vom Bezirksamt, vom Land und wohl auch vom Bund im Stich gelassen.

Denn mit dem Verkauf der Erschließungsstraße vor der Halle durch das Land Berlin an die GUC entstehen erhebliche Probleme: Die Universität plant, die Parkflächen dort zu bebauen, die Engel dringend für den Lieferverkehr mit großen LKW benötigt als Rangierfläche braucht.

Damit würde das Land Berlin die wirtschaftliche Nutzung der Kanonenhalle, die sie selbst an den Unternehmer verkauft hat, erheblich erschweren. Die zuständige Berlin Immobilienmanagement GmbH (BIM) wollte das auf Anfrage nicht kommentieren.

Das Bezirksamt Reinickendorf schlägt stattdessen eine aufwendige Neuorganisation der Belieferung für Engels Firma vor – mit erheblichen Umbauten am Baudenkmal und daraus resultierenden Kosten, die allein der Unternehmer tragen müsste. Alternativ empfiehlt das Amt, sich Überfahrtsrechte über Grundstücke anderer dort ansässiger Firmen zu sichern. Wie das gehen soll? Jedenfalls ohne die Mithilfe des Bezirksamts.

Angela Budweg, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in der BVV Reinickendorf, zeigt sich empört: „Es ist nicht hinnehmbar, einen Unternehmer mit den Konsequenzen und Kosten angrenzender Planungen allein zu lassen und billigend in Kauf zu nehmen, dass das Unternehmen möglicherweise abwandert.“ Sie erwartet, dass das Bezirksamt sich für eine Konsensfindung einsetzt, die für sowohl die GUC als auch Nostalgic-Art akzeptabel ist. Ihr Parteikollege im Abgeordnetenhaus, Sven Meyer, ergänzt: „Das Vorgehen des Bezirksamts ist in dieser Form nicht akzeptabel. Lokale Arbeits- und Ausbildungsplätze müssen bei der Entwicklung des Geländes maßgeblich berücksichtigt werden.“

Das Bildungsministerium fördert die GUC in Kairo als als transnationale Bildungseinrichtung

Doch es wirkt so, als sei sich der Bezirk eines Verbleibs der Nostalgic-Art sicher und setze sehr große Hoffnungen auf die Zukunft der Universität. Und damit ist der Bezirk nicht allein. Zwar betont das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), „nichts mit dem geplanten Campus in Berlin zu tun zu haben, doch fördert es die GUC in Kairo über den DAAD mit Projektmitteln. „Das BMBF sieht in der GUC eine transnationale Bildungseinrichtung, die die Sichtbarkeit deutscher Bildungsstandards im Ausland erhöht und zur internationalen Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland beiträgt.“

Reinickendorf betont die Rolle der GUC „für die Bildungslandschaft und die internationale Sichtbarkeit Reinickendorfs“. Trotz temporär ausgelegter Programme trage die GUC durch ihren internationalen Hochschulhintergrund zu einer stärkeren Sichtbarkeit des Bezirks im transnationalen Wissenschaftsaustausch bei. Die Universität wirke zudem als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und biete Perspektiven für Kooperationen mit ortsansässigen Unternehmen, etwa in den Bereichen Betriebsmanagement, Ingenieurwesen, Mechatronik oder Informatik. „Mit dem geplanten Boardinghouse für Studierende sowie zusätzlichen Seminar- und Laborflächen soll der Campusgedanke gestärkt werden – ohne die industriell-gewerbliche Prägung des Umfelds infrage zu stellen.“

Für den Unternehmer Engel sind das allerdings nicht mehr als Worthülsen. Der gebürtige Reinickendorfer stellt klar: „Wenn die hier so bauen, können wir nicht mehr anliefern. Dann müssen wir uns einen anderen Standort suchen.“ Engel war bereits in Brandenburg unterwegs.

Die Perspektive der GUC bleibt unklar: Trotz mehrerer Anfragen schweigt die Berliner Niederlassung beharrlich. Auch als der DAAD über das Bildungsministerium deutscher Geldgeber des Mutterhauses in Kairo anfragt, erfolgt keine Rückmeldung.

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